Projekt Kleine Engel
Namibia ist seit 1990 ein unabhängiges, demokratisches Land mit einer schwarzen Regierung. Doch obwohl Namibia auf Grund seiner Bodenschätze (Uran, Kupfer, Diamanten u.a.) zu den reicheren Ländern Afrikas zählt, ist die Wirtschaft durch eine hohe Arbeitslosigkeit sowie ein sehr niedriges durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen gekennzeichnet. Namibia weist im weltweiten Vergleich die größten Unterschiede in der Einkommensverteilung auf.

Besonders betroffen ist – trotz der schwarzen Regierung – die schwarze Bevölkerung. Durch die hohe Arbeitslosigkeit leben viele Familien von der Einheitsrente eines Familienmitglieds, die derzeit 470 Namibia-Dollar (NAD) beträgt (entspricht etwa 45 Euro, Stand Dezember 2009). Von diesem Geld müssen durchschnittlich vier bis fünf Menschen überleben. Hauptnahrung ist der tägliche Maisbrei (Milliepapp), gekocht aus Maismehl, Zucker, Wasser und ein bisschen Öl, in den meisten Fällen gibt es nur eine Mahlzeit am Tag, manchmal auch weniger. Für eine Wochenration für fünf Personen werden ein Liter Milch (etwa 11,50 NAD), 2,5 Kilogramm Maismehl (rund 16 NAD), zwei Kilo Zucker (ca. 17 NAD) und eine Flasche Öl (ca. 9 NAD) benötigt. Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UN) müssen über 55 Prozent der Bevölkerung Namibias von rund 2 US-Dollar pro Tag leben…. Viele Kinder hungern am Wochenende und bekommen nur im Kindergarten regelmäßig Essen.

Englisch, Afrikaans und Deutsch waren bis zur Unabhängigkeit des Landes die offiziellen Amtssprachen. Um endgültig mit der Apartheid und Fremdherrschaft abzuschließen, aber vor allem um keine der bestehenden Bevölkerungsgruppen zu bevorteilen und dadurch die Integrität des Landes zu gefährden, wurde die "neutrale" Sprache Englisch zur alleinigen Amtssprache erhoben. Der Großteil der Bevölkerung spricht als Zweitsprache Afrikaans, wobei die Stammessprache Oshivambo von der Hälfte der Bevölkerung als Muttersprache angegeben wird, denn 60 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Ovambos und leben im Norden Namibias.

Deutsch ist die Muttersprache von 32 Prozent der weißen Bevölkerung und Zweitsprache eines Großteils der restlichen weißen Einwohner sowie eines Teils der schwarzen Bevölkerung. Um die vormals nur wenig verbreitete neue Amtssprache stärker durchzusetzen, muss jedes Kind nun neben seiner Stammessprache auch Englisch lernen. Denn unterrichtet wird an den Schulen in Englisch, Afrikaans kann als Zweitsprache gewählt werden. Ein Großteil der schwarzen Bevölkerung im Eltern- und Großelternalter kann weder lesen noch schreiben und beherrscht ausschließlich die jeweilige Stammessprache.

Zeitgleich mit der Unabhängigkeit und der Einführung von Englisch als Amtssprache wurden die staatlichen Kindergärten abgeschafft. Die weißen Bewohner Namibias verfügen über ausreichend finanzielle Mittel, um ihre Kinder in private Kindergärten zu schicken. Da es offiziell keine Apartheid mehr gibt, stehen diese Kindergärten rein theoretisch auch schwarzen Kindern offen. Doch diese Kindergärten kosten monatlich im Durchschnitt mehr als eine Einheitsrente, so dass ein Kindergartenbesuch außerhalb der finanziellen Möglichkeiten der meisten schwarzen Familien liegt.

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